GoPro und deren Hero-Produktfamilie gelten als Synonyme für Action Cams. Doch in den letzten Monaten hat das Unternehmen zunehmend mit Absatzeinbrüchen zu kämpfen. Zum einen setzt eine gewisse Marktsättigung ein und zum anderen mischen Mitbewerber den Markt mit sehr preiswerten und konkurrenzfähigen Kameras von unten auf. Einer jener, die YI Action Camera, schauen wir uns näher an.

Xiaoyi Yi Action Camera TestHinter der YI Action Camera steht das noch junge Startup YI Technology oder auch unter der Marke XIAOYI bekannt. Vor allem in der Vergangenheit wurde es stets in Verbindung mit XIAOMI gebracht. Auch die ersten Produkte von YI Technology wurden unter XIAOMI vermarktet. Dies beginnt bei der Verpackung der Produkte bis hin zur Designsprache der Produkte an sich. Aktuell bekunden beide Unternehmen lediglich nur eine Partnerschaft miteinander zu pflegen und auch auf den Facebook-Fanpages sind nicht mehr die Produkte des anderen vertreten.
YI Technology haben sich auf Produkte für Bilder und vor allem bewegte Bilder spezialisiert. Das Portfolio umfasst besagte Action-Kameras, IP-Kameras für das Smart-Home bzw. Überwachung sowie eine spiegellose Systemkamera. In jenen Geschäftsfeldern ist XIAOMI selbst nicht vertreten.

Lieferumfang

Wie bereits angedeutet ist die schlichte Pappschachtel, in der sich die Action-Kamera befindet, nahezu identisch mit der Verpackung des XIAOMI MiBand Fitnessbands. In dieser befindet sich die Kamera selbst, der Akku, eine chinesische Anleitung und ein Micro-USB-Kabel zum Laden der Kamera. Ein Ladegerät wird nicht mitgeliefert. Sonstiges Zubehör muss separat erworben werden. Von Haus aus ist die YI Action Camera nicht Spritzwasser geschützt. Ein Tribut das dem niedrigen Preis von etwa 70 Euro geschuldet ist.

Verarbeitung und Innereien

Xiaoyi Yi kaufenDie YI Action Camera orientiert sich optisch stark an den GoPro Hero-3-Modellen. Die Abmaße betragen 60 x 21 x 42 mm und hat ein Gewicht von nur 72 Gramm samt Akku. Auf der Front thront markant die Linse mit einem 155° Winkel und der Ein-/Ausschalter. Auf der Oberseite wurde ein Knopf eingelassen, um ein Foto zu schießen oder die Videoaufnahme zu starten bzw. zu beenden. Die linke Seite (von der Front ausgehend) beherbergt einen Knopf für das integrierte WLAN-Modul. Die Unterseite ist mit einem ¼“-Gewinde für die Montage auf Stativen, Drohnen oder ähnlichen ausgestattet. Eine Klappe für die Anschlüsse (Mini-HDMI, Micro-SD-Slot und Mikro-USB) und für den Akku (1.100 mAh) sind auf der Rückseite zu finden. Speicherkarten werden mit einer Größe von bis zu 64GB offiziell unterstützt. Eine Samsung EVO+ 128GB Micro-SDXC-Karte wurde dennoch problemlos erkannt. Status-LEDs sind sowohl auf der Rückseite als auch auf der Ober- und Unterseite verbaut, sodass man aus verschiedenen Blickwinkeln den Zustand der Kamera sehen kann.

yi-action-camera-8Zudem ist der Power-Button mit einem beleuchteten Ring umrandet. Jener dient zeitlich als Information über den Akku-Ladezustand. Blau bedeutet, dass die Kamera zu 75% und mehr geladen ist und über lila bis zu einem roten Farbton, wenn die Action Cam demnächst geladen werden sollte.
Das komplette, weiße Gehäuse ist aus Kunststoff und fühlt sich wertig, verwindungssteif und solide an. Hier begegnet die Kamera von YI Technology dem Marktführer auf Augenhöhe.
Im Inneren werkelt ein Ambarella A7LS Bildprozessor zusammen mit einem 16 Megapixel SONY Exmor R CMOS (IMX 206) Bildsensor. Die Frontlinse hat eine Blende von F2.8 und einen 155° Betrachtungswinkel. Auch hier gibt es Parallelen zu GoPro, denn in der Hero 3 Silver ist die gleiche Kombination verbaut.

Einstellungsmöglichkeiten und die App

yi-action-camera-3Mit der verbauten Hardware können Videos in den folgenden Einstellungen aufgenommen werden:
NTSC:

  • 2304×1296 30P
  • 1920×1080 60P
  • 1920×1080 30P
  • 1920×1080 48P
  • 1920×1080 24P
  • 1280×720 48P
  • 1280X720 120P
  • 840X480 240P

PAL:

  • 2304X1296 25p
  • 1920×1080 50P
  • 1920×1080 25P
  • 1920×1080 48P
  • 1920×1080 24P
  • 1280X960 48P
  • 1280X720 50P
  • 1280X720 48P
  • 1280X720 100P
  • 840X480 200P

Im Gegensatz zu anderen preiswerten Action-Kameras ist die von YI durchaus in der Lage mit echten 60 Bildern pro Sekunde bei FullHD aufzunehmen. Bei anderen werden lediglich die einzelnen Bilder dupliziert.

Wie aus den Video-Einstellungen zu entnehmen ist, sind Zeitlupen-Aufnahmen mit bis zu 120 Bildern/Sekunde bei der HD-Auflösung möglich. Reduziert man die Auflösung weiter auf 840 x 480 Pixel speichert die Kamera 200 Bilder in der Sekunde auf die Speicherkarte. Für den PAL-Standard entsprechend weniger.

Fotos hingegen können bis zu einer Auflösung von 16 Megapixel bei einem 4:3 Verhältnis geschossen werden. Hier stehen auch Auflösungen mit einem 16:9-Seitenverhältnis zur Auswahl.

yi-action-camera-7Wie bereits erwähnt wird die YI Action Camera hauptsächlich per Smartphone bedient. Dazu wird über die App eine direkte WLAN-Verbindung (802.11b/g/n) aufgebaut und reicht bei freien Sichtverbindung bis zu 100m. Im Test war eine Verbindung über 90m ohne Hindernisse zweifellos möglich. Die Vorschau auf dem Smartphone war allerdings mit einer spürbaren Verzögerung zu sehen. Eine Steuerung einer Drohne wäre damit nicht möglich oder zumindest nur schwer. Zusätzlich kann eine Bluetooth-Verbindung per BT 4.0 Standard aufgebaut werden, um die Kamera ferngesteuert auszulösen oder eine Aufnahme zu starten. Prinzipiell kann hierfür jede Bluetooth-Fernbedienung genutzt werden.

Nach dem erstmaligen Starten der App (für iOS und Android auf Deutsch erhältlich) landet man in der Vorauswahl für Fotos. Speziell für Letzteres besteht auch die Option eines Selbstauslösers (3, 5, 10 oder 15 Sekunden) zu aktivieren sowie die Möglichkeit einen Zeitraffer (Time-Lapse) zu starten. Hierfür wird das Intervall bestimmt, aller wieviel Sekunden (0.5, 1, 2, 5,10, 30 oder 60 sek) ein Foto aufgenommen werden soll. Einmal gestartet, werden nun kontinuierlich Fotos geschossen und gespeichert bis dies vom Benutzer manuell gestoppt wird. Eine Funktion die einzelnen Fotos zu einem Video zusammenzufügen ist nicht vorhanden. Als letzte Möglichkeit gibt es für Fotos einen Burstmodus. Hier können bis zu sieben Fotos in der Sekunde in voller Auflösung gespeichert werden.

Die Time-Lapse-Funktion steht auch für den Video-Modus bereit. Auch hier kann das Intervall bestimmt werden und wie lang das Video insgesamt werden soll.

Beispiel: Man möchte ein Video in FullHD (1920 x 1080) mit 25 Bildern pro Sekunde mit einer Länge von 10 Sekunden und es soll aller 5 Sekunden ein Foto erstellt werden. Dann beträgt die Aufnahmezeit 20 min und 50 sek! 5 * 25 Bilder/sek =  125 Sekunden für eine Sekunde im fertigen Video. 125 * 10 = 1250 sek

Über die App kann man die bisherigen Fotos und Videos betrachten und auf das Smartphone herunterladen. Interessanterweise konnte für Zeitlupen-Videos keine Vorschau generiert werden bzw. nicht abgespielt werden. Man muss jene also herunterladen, um sie betrachten zu können.

Ein weiteres Feature ist, das Bild per Button zu begradigen, das heißt die Krümmung, die durch die Weitwinkellinse entsteht, software-seitig zu korrigieren. Der nun korrigierte Ausschnitt ist etwa 15% kleiner als mit der Standardeinstellung.

Die App ist gut strukturiert, aufgeräumt und kann intuitiv bedient werden. Das Livebild wird mit ca. einer Sekunde Verzögerung auf das Smartphone gestreamt. Gelegentlich kommt es zu kurzen Aussetzer. Weiterhin fehlt es dem Livebild etwas an Details.

Foto- und Videoqualität

Angesichts des Preises von knapp 70 Euro stellt sich die Frage, ob nicht an der Bildqualität gespart wurde. Dies ist klar zu verneinen.  Im Vergleich mit einer Hero 3 Black können nur kleinere Detailunterschiede ausfindig gemacht werden. Gut gefallen hat schnelle Anpassung zwischen hellen und dunklen Situationen. Ein Über- bzw. Unterbelichten passiert daher selten oder nur sehr kurz.

Die Schärfe und der Kontrast gehen in Summe in Ordnung, sind aber nicht überwältigend. Bei den Videos kann eher eine teilweise fehlende Schärfe wahrgenommen werden. Dies liegt unter anderem an der Bitrate von etwa 21.00 kbps. Durch den starken Weitwinkel von 155° ist zudem die Schärfe zu den Rändern hin abnehmend und typisch bei Action Kameras. Für eine bessere Bildschärfe in Randbereichen sind komplexere, höherwertige Gläser notwendig wie es bei professionellen Objektiven gegeben ist.

Natürlich und weder knallbunt noch übersättigt präsentiert sich die Farbwiedergabe in Video und Bild. Dabei arbeitet die automatische Anpassung der Farbtemperatur weitgehend treffsicher und gefällt. An trüben und tristen Tagen wird dies auch in den Aufnahmen vermittelt ohne durch Software-Anpassungen zu verschönern.

Bei wenig Licht hat die YI Action Camera Probleme und ein deutliches Rauschen ist im Bild und bei bewegten Aufnahmen zu verzeichnen. Dies ist angesichts der Sensorgröße und einer Blende von F2.8 als normal anzusehen. Die Konkurrenz patzt hier ebenso. Nachtaufnahmen sind dennoch brauchbar, können jedoch nicht überzeugen.

Laufzeit

Nichts ist ärgerlicher als eine Kamera, die zu schnell schlapp macht. YI Technology gibt für die YI Action Camera eine Laufzeit von 95 min an während ein Video in FullHD und 60 Bilder/sec aufgenommen wird. Damit nimmt die Kamera zumindest auf dem Papier länger auf als die Hero 3 Silver von GoPro. Im Test konnten wir eine Laufzeit von anderthalb Stunden bei FullHD und 50 Bilder/sec vermerken. Anzumerken ist hierbei, dass der Wert nur ohne WLAN-Verbindung und deaktivierten WLAN-Modul erreicht werden konnte. Wird jene Verbindung dauerhaft aufrecht erhalten, sinkt die Laufzeit auf etwa 65-70 min pro Akkuladung. Deshalb sollte man eine Power Bank dabei haben oder gleich einen zweiten Akku mit erwerben. Zumindest wenn man längere Aufnahmen plant. Im Vergleich mit der Konkurrenz sind dies Werte im mittleren Bereich und gehen damit in Ordnung.

Fazit

yi-action-camera-5YI Technology liefert mit ihrer ersten, superkompakten Kamera, der YI Action Camera, ein insgesamt gelungenes Produkt ab. In Form und Gestaltung orientiert sich das Startup klar am Kassenschlager von GoPro, ohne ein dreister Klon zu sein. In Anbetracht des Preises ist die Verarbeitung super. Die Einstellungsmöglichkeiten sind umfangreich und lassen nichts vermissen. Die Bildqualität ist gut, aber nicht sehr gut. Als Gründe sind die Bitrate und die Optik mit einer Blende von F2.8 zu nennen. Weiter gefielen die natürlichen, nicht zu knalligen Farben im Test. Etwas ernüchternd fiel die Laufzeit aus, sodass man um weiteres Zubehör nicht drum herum kommt. Dies ist auch der nächste Stichpunkt. Der Kamera liegt bis auf ein Micro-USB-Kabel ohne Ladegerät und den notwendigen Akku nichts bei. Gerade für den Einsatz am Strand oder im Winterurlaub sollte man ein wasserschützendes Gehäuse mitbestellen. Auch Montagemöglichkeiten müssen separat gekauft werden.

Für 70 EUR ist die YI Action Camera eine sehr gute Alternative zum Kassenschlager von GoPro und erhält von uns eine Kaufempfehlung.

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