Vor wenigen Monaten testeten wir das XIOAMI Mi5 und in diesem Herbst veröffentlichte die chinesische Firma schon eine aktualisierte Version, das Mi5s. Anders als bei anderen Herstellern erfuhren nicht nur die Innereien eine Frischzellenkur auch das Äußere wurde überarbeitet. Nach vier Wochen im Dauereinsatz können wir einen fundierten Test liefern.

Xiaomi Mi5s – Technik im Detail

XIAOMI Mi5s TestberichtGegenüber den bereits von uns getesteten Mi5 wird nun der neue Qualcomm Snapdragon 821 Quad-Core verwendet. Dabei handelt es sich um eine leicht aktualisierte Version des Snapdragon 820 mit 2,15 GHz Takt. Beim Mi5 wurde der 820 in der kleinsten Ausstattungsvariante mit 32-GB-Speicher mit einem geringen Takt von 1,8 GHz ausgeliefert. Die integrierte Grafikeinheit Adreno 530 ist geblieben und gleich getaktet. Als zweite Neuerung wechselt XIOAMI auf einen Ultrasonic, sprich Ultraschall, Fingerabdruckscanner unterhalb des Displays. Die Technik dahinter kommt ebenfalls von US-Hersteller Qualcomm und hört auf den Namen Snapdragon Sense ID. Vor allem die Zuverlässigkeit und Schnelligkeit soll hiermit erhöht werden. Weiterhin kann man nun auch mit feuchten oder gar dreckigen Fingern das Mi5s problemlos entsperren. Zudem ist es kein mechanischer Home-Button mehr, sondern wurde unter dem Frontglas verbaut.

Eine Mulde hilft der Orientierung beim Fingerauflegen. Im kompletten Testzeitraum funktionierte das Entsperren mittels Fingerabdruck reibungsfrei und in der Regel fix. In zwei Situationen war dies jedoch trotz mehrmaliger Wiederholung nicht möglich die Sperre am Smartphone aufzuheben. Das Problem war sporadisch und konnte nicht wieder reproduziert werden, weswegen von einer Ausnahme ausgegangen werden kann.
Auch die Kamera wurde einer Revision unterzogen und stellt die dritte große Neuerung im Inneren dar. Als Sensor setzt man nun auf den aktuellen Sony IMX378, welcher einen 1/2,3-Zoll großen Sensor nutzt. Für Aufsehen sorgte der 12-Megapixel-Bildsensor in den neuen Pixel-Smartphones von Google. Für Selfies steht eine 4-MP-Kamera auf der Front zur Verfügung. Doch dazu später mehr.

Ebenso positiv ist die erhöhte Akkukapazität von nun 3.200 mAh gegenüber dem 3.000 mAh Akku aus dem Mi5. Grundlegend ist das Mi5s in zwei Ausstattungsvarianten erhältlich, die sich beim Arbeitsspeicher und beim Speicherplatz unterscheiden. Das Einstiegsmodell beherbergt 3 GB LPDDR4-RAM und 64 GB Speicher, der per UFS 2.0 angebunden ist. Die Vollausstattung hat 4 GB RAM und 128 GB Speicherplatz zu bieten. Farblich weicht der Neuling auch vom Vorgänger Mi5 ab. Neben Silber, Dunkelgrau und Gold gesellt sich noch ein Roségold hinzu. Zusätzlich positioniert XIAOMI noch zwei Mi5s-Plus-Modelle am Markt, die in diesem Test aber außen vorgelassen werden.

Das sehr gute Display mit 5,15 Zoll in der Diagonale wurde vom Vorgänger Mi5 übernommen. Bei selbiger Größe blieb auch die Auflösung von 1920 x 1080 Pixel bzw. 428 PPI. Im ausgeschalteten Zustand sind nur minimale Ränder um den Bildschirm zu erkennen, ein sprichwörtliches Edge-to-Edge-Display.  Sobald der Bildschirm erwacht, sieht man allerdings, dass XIAOMI hier ein wenig getrickst hat, denn der Bildschirm selbst ist an den vier Seitenrändern schwarz umrahmt. Bei unserem silbernen Modell mit weißer Front fällt dies natürlich deutlich mehr auf, als bei den Farbkombinationen mit einer in Schwarz gehaltenen Frontpartie. Das Bild auf dem Display ist sehr scharf, ohne überschärft zu wirken. Zwar bieten andere Hersteller bei jener Bildschirmgröße bereits eine Quad-HD-Auflösung (2560 x 1440 Pixel), einen spürbaren Mehrwert von der höheren Auflösung hat man zumindest bei einem LCD-Panel nicht. Einzig für Virtual Reality ist die FullHD-Auflösung des Mi5s nachteilig. Farben werden auf dem IPS-LCD knackig dargestellt und auch der Schwarzwert ist solide für ein LCD-Panel. Besonders gut hat uns die maximale Helligkeit gefallen. XIAOMI nennt hier 600 NIT und konnte problemlos auch an sonnigen Tagen draußen bedient werden, ohne in den Schatten flüchten zu müssen. Sehr gut!

Ebenso unverändert ist der Dual-SIM-Schacht für zwei Nano-SIM-Karten. Hierbei handelt sich nicht um einen Hybrid-Slot und auch sonst gibt es keine Möglichkeit den internen Speicher mittels einer Micro-SD-Karte zu erweitern. Für Datenaustausch und zum Laden wird ein USB 3.1 Typ-C-Anschluss und Qualcomm Quick Charge 3.0 genutzt. Die weitere Ausstattung ist auf dem aktuellen Stand der Technik: WLAN 801.11 bis hin zum ac-Standard, Bluetooth 4.2 und LTE (4G Advanced) mit den FDD-LTE-Bändern 3, 5, 7 und 8. Das für die deutschen Netze relevante Band 20 wird nicht unterstützt. Für ein stabiles Navigation-Signal sorgen GPS + GLONASS, AGPS und Beidou. Letzteres greift auf das chinesische Satelliten-Netz zu.

Auf der Oberseite befindet sich eine 3,5-mm-Klinke, um Kopfhörer anzuschließen. Die Klangqualität war im Test als gut zu bezeichnen. XIOAMI verbaut aber keinen speziellen DAC. Der verbaute Lautsprecher ist okay. Bei voller Lautsärker neigt er zu einer blechernen Wiedergabe der Musik oder Sprache sowie zu einem Klirren. Tiefe Töne sind fast gar nicht vorhanden. Die Gesprächsqualität hingegen ist gut.

Spezifikationen

XIAOMI Mi5s
Prozessor Snapdragon 821
Anzahl Kerne 4
Taktfrequenz 2,15 GHz
Grafikeinheit Adreno 530
RAM 3 GB LPDDR4 / 4 GB LPDDR4
ROM 64 GB / 128 GB
Displaygröße 5,15 Zoll
Displayauflösung 1920×1080
Pixeldichte 428 ppi
SIM Dual nano SIM
Speichererweiterung nein
LTE 1.800 MHz, 2.100 MHz, 2.600 MHz
Akku 3.200 mAh
Akkueinbau Fest verbaut
Gehäusematerial Aluminium
Betriebssytem MIUI 8.0.10.0 Android 6.0.1
Abmessungen 145,6 x 70,3 x 8,25 mm
Gewicht 145 Gramm
Verfügbare Farben Grau, Silber, Gold, Roségold
Xiaomi Mi5s Antutu 6 Benchmark 148.610
Preis ab. 300 Euro

Gehäuse/Verarbeitung

Wem das Mi5 wegen dem Design gefiel, dem wird auch das Mi5s gefallen. Die wesentliche Formsprache wurde beibehalten. Lediglich die Rückseite, die XIAOMI Anfang 2016 noch voller stolz präsentierte, aus sogenannten 3D-Glas, musste einer Aluminium-Hülle weichen. Ob dem Anwender das Glas-Rückteil zu rutschig war oder doch zu anfällig beim Herunterfallen – bei den Gründen für den Materialwechsel schweigen sich die Chinesen aus.

Das Unibody-Gehäuse – aus einem Stück Aluminium heraus gearbeitet – ist zu den Seiten hin stark abgerundet und liegt dadurch sehr gut in der Hand. Die Höhe von 145,6 mm und einer Breite 70,3 mm kann bei einer Einhand-Bedienung gut kaschiert werden. Leider hat eine metallische Hülle auch eine isolierende Wirkung für die im Inneren verbauten Antennen. Gelöst wurde dies durch markante, zweiteilige Antennenstreifen im oberen Teil sowie am unteren Ende des Gehäuses. Die Form ähnelt sehr der Lösung von Apple beim iPhone 6 bzw. 6s. Dass man sich bei XIAOMI von den Designern von Apple inspirieren lassen hat, zeigt die Positionierung der Kamera in der linken oberen Ecke als auch die Löcher auf der Unterseite für den Lautsprecher sowie dem Mikrofon. Dabei bewies XIAOMI mit dem Redmi und Redmi Note Modellen eine eigenständigere wie auch elegante Gestaltung der Rückseite. Jene wird im Übrigen vom Mi5s Plus wieder aufgegriffen. Nur im direkten Vergleich fällt auf, dass das Smartphone mit 8,25 mm einen Millimeter dicker ist als das Mi5 Smartphone. Dies kommt hauptsächlich der Akkukapazität von 3.200 mAh zu gute. Positiv zu erwähnen ist, dass die Kamera selbst plan ins Gehäuse integriert wurde und nicht, wie es bei einigen anderen High-End-Smartphones mittlerweile Usus ist, hervorsteht.
Am Übergang zwischen dem Unibody zum Glas auf der Front ist eine auf Hochglanz polierte Fase. Ein Design-Element, welches den wertigen Gesamteindruck des Mi5s nochmals unterstreicht. Wie schon angeschnitten, dominiert die Frontpartie eine Glasscheibe (2.5D Glas), welche zu den Kanten und Ecken abgerundet wurde. Somit ergibt sich ein angenehmer Materialwechsel. Mittig oberhalb des Bildschirms ist die Hörmuschel in Form einer breiten, schmalen Aussparung mit einem feinen Metallgitter zu finden. Links davon befindet sich ein Sensor und die Front-Kamera. Auf der anderen Seite wurde eine farbige Status-LED integriert.

Unterhalb des Bildschirms ist eine Mulde eingelassen. Darunter wurde der Ultraschall-Fingerabdruckscanner verbaut. Die Vertiefung dient lediglich dem Komfort und Orientierung des Anwenders. Sie hat gegenüber dem physischen Button des Vorgängers etwas an Höhe dazu gewonnen. Beidseitig davon kapazitive Tasten für die Bedienung – Multi-Task- und Zurück-Taste – zu finden. Bei Berührung leuchtet ein kleiner, weißer Punkt auf und erlischt nach wenigen Augenblicken. Auf On-Screen-Buttons wie es seit Android 4.0 seitens Google vorgesehen ist, verzichtet XIAOMI weiterhin. Ausnahme bildet hierbei das Konzept-Smartphone XIAOMI Mi Mix.

Seitlich – auf der Rechten – ist die Lautstärkewippe im oberen Drittel eingelassen und darunter der Power-Button. Beide Tasten sind aus Metall und sitzen perfekt im Gehäuse. Der Druckpunkt ist satt und präzise. Die gegenüberlegende Seite ist frei von Bedienelementen. Nur der Dual-SIM-Schacht ist im oberen Teil ins die Metall-Hülle eingelassen. Auf der Oberseite steht eine 3,5 mm Klinke zur Verfügung. Der IR-Blaster, bekannt vom Vorgänger, fiel dem Rotstift zum Opfer. Bereits angesprochen wurde die Unterseite. Mittig sitzt der USB-Typ-C-Anschluss. Zu dessen Seiten befinden sich fein gefräste Löcher für den Lautsprecher rechts und ein Mikrofon links. Durch die symmetrische Gestaltung der Öffnungen könnte man von zwei Stereo-Lautsprechern – links und rechts – ausgehen, tatsächlich ist es nur einer und somit die Audio-Wiedergabe mono.

Minimale Spaltmaße, erstklassige Übergänge und auch die Taster bzw. Knöpfe sitzen fest im Gehäuse. Die Verarbeitung ist beeindruckend gut. XIAOMI spielt damit in einer Liga mit den Premium-Smartphones von Apple, Samsung und Huawei. Für ca. 300 Euro erhält man nicht ein Smartphone mit guter Verarbeitung, sondern ein Premium-Smartphone für nur 300 Euro.

Lieferumfang

In der, an Minimalismus kaum zu übertreffenden, Verpackung ist nur das Nötigste beigelegt: Smartphone, Ladegerät, USB-Typ-C-Kabel, Pin für den SIM-Schacht sowie eine Schnellanleitung. Letztere ist auf Chinesisch und auch das Ladegerät kann ohne Adapter nicht an den hier üblichen Steckdosen genutzt werden. Wir raten allerdings vom Nutzen solcher Adapter eher ab und empfehlen ein solides Ladegerät separat zu erwerben. Viele Anwender besitzen aber in der Regel bereits eins. Das Ladegerät selbst ist Quick Charge 3.0 zertifiziert und ermöglicht ein schnelles Laden des Mi5s.

Kamera

Nominell betrachtet scheint die im Mi5s verwendete Kamera ein Rückschritt zu sein. 12 statt 16 Megapixel. Keinen Bildstabilisator, statt einen optischen 4-Achsen-Bildstabilisator und die Blende ist mit f2.0 gleichgeblieben. Technisch gesehen hat der Wechsel des Bildsensors vom IMX298 auf den IMX378 aus dem Hause Sony einige Vorteile. Zum einen ist der Sensor selbst größer (1/2,3“ gegenüber 1/2,6“), was sich, in Verbindung mit einer geringeren Pixelanzahl, zu einer deutlich höheren Pixelgröße führt. Zum anderen bietet der neuere Sensor flexiblere Möglichkeiten für Zeitlupen-Aufnahmen und bei Ultra-HD-Aufnahmen. Noch dazukommend ist der neue und bessere Autofokus namens Phase-Detection-Auto-Focus (PDAF). Im Test fiel dieser äußerst positiv auf. Die Kamera ist vom Sperrbildschirm aus schnell einsatzbereit. Die Kamera fokussiert die Szene blitzschnell und auch bei manuell gesetzten Fokuspunkten reagiert das Mi5s ohne merkliche Verzögerungen. Auch beim Auslösen wird das Foto nahezu im selben Augenblick gespeichert. In seltenen Situation hatte die Kamera Probleme das Bild scharf zustellen. Dies geschah in Verbindung mit mehreren, sich schnell bewegenden Objekten bzw. Personen. Ein Szenario bei dem fast alle Smartphones patzen.
Fotos werden standardmäßig mit einem 4:3 Seitenverhältnis und 4000 x 3000 Pixel Auflösung geknipst. Ein Umstellen auf 16:9 hat auch eine Reduzierung der Auflösung auf 3840 x 2160 Pixel (Ultra HD) zur Folge. Für Videos stehen die bekannten Formate HD (1280 x 720 Pixel), Full HD (1920 x 1080 Pixel) und Ultra HD zur Auswahl. In den Einstellungen kann eine Bildstabilisierung aktiviert werden, jene erfolgt rein elektrisch, sprich durch Algorithmen in der Software. Bei 4K bzw. Ultra-HD muss auf die Stabilisation verzichtet werden. Auch Zeitlupen sind in dieser Auflösung nicht möglich.

Die Farben der Aufnahmen sind natürlich und nicht blass, wobei die Farbtemperatur tendenziell mehr ins Warme abgestimmt ist. Bei der Schärfe hält sich die Software vornehm zurück und im Test konnte keine Situation provoziert werden, bei der die Kamera die Aufnahme überschärft. Dabei kommen dennoch Details zur Geltung auch die Konturen sind klar zu erkennen. Je nach Fokuspunkt neigt die Kamera-App das Foto etwas heller abzuspeichern oder auch länger zu belichten. Offensichtlich möchte der Entwickler vermeiden, dass Details in dunklen Bereichen unkenntlich werden.

Weiter zeigt sich der HDR-Modus als großer Pluspunkt der Kamera. Hier berechnet die Software vor allem in dunkleren Passagen eine Aufhellung hinzu, während die hellen Räume nur dezent abgedunkelt werden. Für den Laien ist eine HDR-Aufnahme nicht als solches erkennbar oder erst nach längerer Betrachtung. Jener Modus wertet das Bild auf, ohne es unrealistisch wirken zu lassen.

In Situationen mit wenig Licht, speziell bei Nacht, kommt die Kamera des Mi5s an seine Grenzen, da die Blende mit f2.0 zwar durchaus lichtstark ist, aber nicht wie die eines iPhone 7 oder Galaxy S7. Zudem wirkt sich der fehlende, optische Bildstabilisator als nachteilig aus. Lässt man sich etwas Zeit und knipst mehrere Fotos hintereinander, sind auch einige unverwackelte und brauchbare Fotos dabei. Neben Bildrauschen gehen einige Details verloren und die Bilder wirken leicht verwaschen.

Abhilfe kann auch der integrierte Blitz mit zwei LEDs schaffen. Besonders Hauttöne werden nicht überbelichtet. Bauartbedingt kann der Blitz nur für nahe Objekte genutzt werden.

Bei den Videoaufnahmen arbeitet der Bildstabilisator durchaus solide und sorgt für ein ruhigeres Bild. Dabei fällt auf, dass der Ausschnitt in etwa 10 % kleiner ist gegenüber einem Foto. Es ist davon auszugehen, dass dieser Bereich genutzt wird, um eventuelle Wackler und ähnliches ausgleichen zu können. Die Bildqualität ist erwartungsgemäß kongruent zu reinen Fotoaufnahmen und überzeugt.

Demgegenüber steht die Frontkamera mit 4 Megapixel. Bei optimalen Lichtverhältnissen schießt jene ordentliche, solide Fotos. Für Schnappschüsse durchaus hilfreich, für Photowalks sollte die Rückkamera stets bevorzugt werden.

Beim ersten Öffnen der Kamera-App fällt sofort die gebotene Übersicht auf. Die Ansicht ist auf das Wesentliche beschränkt. So sind aber auch häufig benötigte Einstellungen erst nach einem erstmaligen Tippen ersichtlich. Ein Beispiel: Um den Blitz einzuschalten, muss erst auf das Symbol getippt werden und anschließend auf „Ein“, „Aus“, „Auto“ oder „Taschenlampe“. Um zu den allgemeinen Einstellungen für die Kamera zu gelangen muss erst „Modi“ ausgewählt werden und darauffolgend auf das Zahnrad-Symbol in der oberen Ecke. Hier ist der Minimalismus in der UI auf Kosten der schnellen Bedienbarkeit gegangen.


Lobenswert sind die diversen Filtereinstellungen. Noch vor Auswahl des jeweiligen Filters wird eine Miniaturansicht des Live-Bildes mit dem Filter dargestellt. Hier bietet XIAOMI einige zur Auswahl. Bei den angesprochenen Modi sind die gebräuchlichsten dabei: Panorama, Timer, GroupShot und Nachaufnahme (HHT genannt). Hinter dem Modus „Straffen“ verbirgt sich die Möglichkeit vorrangig Architekturaufnahmen horizontal oder vertikal ausrichten zulassen, um mit der gegebenen Symmetrie und Ästhetik zu arbeiten. Hingegen ist der Modus „Verschönerung“ eher als Spielerei anzusehen. Die Software versucht das Alter, der zu sehenden Personen zu erkennen oder zu erraten und „bügelt“ vorhandene Falten oder Unreinheiten heraus, meist mit erheblichen Verlust an Details und Konturen auf jenen Hautpartien.

Natürlich gibt es auch einen manuellen Kameramodus. In diesem können die Parameter für den Weißausgleich, den Fokus, die Belichtungszeit und den ISO per Hand geändert werden. Für schnelle Situationen ist der manuelle Modus eher ungeeignet, auf Grund der reinen Eingabe über den Touchscreen. Neben einer JPG-Datei wird zusätzlich im RAW-Format, DNG, abgespeichert. Weiterhin fiel im Test auf, dass der ISO-Wert nur bis 3.200 eingestellt werden konnte, im Automatikmodus hingegen ein ISO von bis zu 6.400 genutzt wird.

Interessant ist auch, dass die App, wenn sie eine Situation bei Nacht oder sehr schlechtem Licht erkennt, das typisch auftretende Bildrauschen unterdrückt oder besser gesagt herausrechnet. In selbiger Situation mit identischen Einstellungen im manuellen Modus tritt das Bildrauschen verstärkt auf. Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass die Kamera sehr schnelle Fotos ermöglicht und die Automatik gut im Erkennen des Szenarios ist und optimale Einstellungen wählt. Die angesprochenen Defizite können durchaus in zukünftigen Updates ausgemerzt oder zumindest verbessert werden.

Akkulaufzeit / Ladeverhalten

Die Kombination aus einer Bildschirmdiagonalen von 5,15“ bei einer FullHD-Auflösung, effizienten Prozessor sowie einem überdurchschnittlichen 3.200 mAh Akkus lässt auf eine lange Akkulaufzeit vermuten. Tatsächlich pendelte sich in den vier Wochen Testzeitraum die Screen-On-Time bei 4,5 bis 6 Stunden ein und reicht je nach Anwendertyp auch bis zu zwei Tage aus. Zu einem Dauerrenner wie das Budget-Smartphone XIAOMI Redmi 4 wird das Mi5s hingegen nicht.
Dank Quick Charge 3 ist das Smartphone innerhalb von zwanzig Minuten um 50% wieder aufgeladen. Für eine volle Ladung benötigt das Mi5s insgesamt 1h und 50 min.

Benchmarks

Wie es auch schon zu vermuten war, liegt die Performance in den Benchmarks oberhalb der Konkurrenz mit einem Snapdragon 820 SoC. Bei AnTuTu liegt der Vorsprung des Xiaomi Mi5s bei knapp 29 %. Im mehr anwendungsorientierten Benchmark Basemark OS II sind es lediglich 11%. Der teilweise große Vorsprung in grafiklastigen Tests gegenüber dem Mi5 liegt vorrangig an der geringer getakteten Grafikeinheit (Adreno530) in unserem damaligen Modell (32 GB Variante).

Xiaomi Mi4 THL 2015 Umi Rome Xiaomi Redmi
Note 2
Xiaomi Redmi
Note 3
Bluboo Xtouch Xiaomi Mi5 Nubia Z11 Xiaomi Mi5s
Basemark X (Default) 22.605 11.016 6.250 17.451 17.427 8.389 34.401 36.960 43.120
Basemark X (High) 11.899 4.615 4.052 9.513 10.352 4.248 28.518 22.790 36.479
Basemark OS II (Overall) 1.117 822 731 1.039 1.102 738 2.074 1.592 2.306
Basemark OS II (System) 1.502 1.585 1.256 1.479 1.883 1.266 3.157 2.142 3.314
Basemark OS II (Memory) 638 665 908 1.167 1.003 926 1.569 1.058 1.705
Basemark OS II (Graphics) 2.278 567 378 963 985 423 3.883 3.866 4.674
Basemark OS II (Web) 744 765 670 702 794 602 963 753 1.071
Geekbench (Single-Core) 970 808 603 999 833 607 1.922 2.246 1.693
Geekbench (Multi-Core) 2.835 3.978 2.372 3.850 4.577 2.697 4.726 5.133 4.180
Xiaomi Mi5s Antutu 6 n/a n/a 35.488 47.398 52.011 47.923 115.480 137.643 148.610

MIUI 8 auf Android 6.0.1 Basis

Natürlich setzt XIAOMI auf die hauseigene Distribution MIUI in der Version 8 als Betriebssystem. Der Test basiert auf den Stand der 8.0.10.0 Global Stable Version. Der Unterbau von MIUI ist Android 6.0.1. Eine Beta, die auf Android 7 basiert, ist bereits zugänglich und sollte in den nächsten Wochen ebenfalls als MIUI 8 verteilt werden. Leider war auf unserem Testgerät eine angepasste Version von MIUI vorinstalliert. Konkret war jene bereits auf Deutsch, einige Google-Dienste und Apps wie der Play Store eingerichtet aber auch weitere Apps wie SwiftKey installiert. Zwar ist dies für den deutschen Kunden durchaus lobenswert, jedoch hat dies den faden Beigeschmack, dass eventuell auch Bloatware oder andere Schadprogramme im Hintergrund laufen könnten.

Zusätzlich ist der Bootloader gesperrt und kann nur per Formular-Anfrage bei XIAOMI entsperrt werden. Pro Nutzer kann nur ein Gerät aller 30 Tage entsperrt werden, es sei denn man genießt einen speziellen Status eines Software-Testers bei XIAOMI oder in deren offiziellen Forum.
Wie schon von anderen XIAOMI Smartphones gewohnt, läuft auch auf den Mi5s absolut rund, schnell und ohne ledigliche Denkpausen. Von den 3 GB stehen dem Anwender anfangs nur 1,3 GB für Apps zur Verfügung. Das RAM-Management räumt bei Bedarf aber noch mehr frei, denn ungenutzter RAM bringt keinerlei Vorteile.

Auf die Besonderheiten und Anpassungen von MIUI wurde bereits in den erschienenen Smartphone-Reviews eingegangen. In nächster Zeit, vermutlich mit dem Erscheinen von MIUI auf Android 7 Basis, werden wir einen gesonderten Artikel zu MIUI veröffentlichten.

Fazit

XIAOMI Mi5s kaufenNach nur wenigen Monaten liefert XIAOMI mit dem Mi5s eine verbesserte Version des Vorgängers. Dabei sind die Änderungen sinnvoll und setzen an den richtigen Stellen an. Stärken, wie das Design und das hervorragende Display in FullHD-Auflösung, wurden übernommen und Schwächen, wie die Kamera oder der Fingerabdruckscanner, wurden aufpoliert. Vor allem der neue Bildsensor in Verbindung mit dem zügig arbeitenden Autofokus bereitet Spaß beim Fotografieren. Das Aluminium-Unibody-Gehäuse liegt nun noch besser in der Hand als das Glas vom Mi5. Die abgerundeten Seiten sind bei der Bedienung mit einer Hand förderlich. In Sachen Verarbeitungsqualität ist das Mi5s großartig. Einen Millimeter ist das Smartphone nun dicker, was in keiner Weise Anlass zur Kritik ist, da im Gegenzug der Akku auf 3.200 mAh anwuchs.

Seitens der Konnektivität beherrscht das Mi5s die aktuellsten Standards wie Bluetooth 4.2, WLAN 802.11 ac oder der USB-Typ-C-Stecker. Auf der negativen Seite sind Punkte, die auch schon bei anderen Smartphones von XIOAMI auffielen. Da wäre die MIUI ROM die standardmäßig nur in Chinesisch und Englisch vorliegt, dem Nichtvorhandensein des Play Stores, sowie weiteren Google Diensten oder Apps. Überdies ist das Fehlen vom LTE Band 20 ein weiteres Manko.

Je nach Betrachtungsweise kann auch die Auflösung von „nur“ FullHD negativ ausgelegt werden, da dadurch das Mi5s für Virtual Reality eher ungeeignet ist. Andererseits kommt diese auch der Akkulaufzeit entgegen.

In Summe ist das XIAOMI Mi5s ein sehr gelungenes Smartphone und eine Empfehlung der Redaktion mit einer Gesamtwertung 9 von 10 Punkten.

Kommentare (2)

  1. Pingback: Xiaomi Mi5s im ausführlichen Review mit Kamera-Spezial – patrock84.de

  2. Pingback: Xiaomi Mi Max Test - ausführlicher Testbericht zum MI Max von Xiaomi

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