Vor mehreren Wochen ging unser Test zum XIAOMI MiPad 2 online und schon folgt die neuste Generation. Lohnt sich ein Umstieg für Besitzer des Vorgängers? Wie attraktiv ist das neue Mi Pad 3? Diese und weitere Fragen beantwortet der nachfolgende Test der neusten Auflage.

Warum kein WIndows?

War die zweite Generation noch alternativ mit Windows 10 erhältlich, ist die dritte Entwicklungsstufe wieder ein reines Android-Tablet. Hauptgrund für die Entscheidung war wohl, dass seitens des Herstellers Intel für neuere Atom-Prozessoren keine Treiber bzw. SDK für aktuellere Android-Versionen als 6.0.1 bereitstellt werden. Zwar läuft MIUI 8 u.a. auf dem XIAOMI Mi5s oder Mi Max bei deren Vorstellung noch mit Android 6 als Unterbau, für spätere Aktualisierungen ist der eingestellte Support seitens Intel aber hinderlich.

 

Die Technik im Tablet

Beim Mi Pad 3 kommt der SoC aus dem Hause MediaTek, der Mediatek MT8176, und nicht von Qualcomm oder gar aus der eigenen Produktion. Bestückt ist der Sechskerner, ausgelegt für Tablets, mit Cluster aus zwei leistungsstarken Kernen im ARM-Cortex-A72-Layout mit bis zu 2,1 GHz. Die weiteren vier Kerne mit der ARM Cortex-A53-Architektur takteten maximal mit 1,7 GHz. Demnach handelt es sich um einen 64-bit-fähigen SoC. Unterstützt wird u.a. 4K HEVC (h.265) Video De- und Encodierung. Zur Seite steht dem Prozessor die Grafikeinheit PowerVR GX6250 und jene ist nicht die beste Lösung für grafikintensive Apps wie Spiele oder Video-Editing. Doch dazu später mehr. Ein wahrer Pluspunkt sind die 4 GB Arbeitsspeicher sowie ein 64GB Speicherplatz! Im Preisbereich unter 250 Euro ist das sehr selten anzutreffen. Genau genommen ist uns aktuell (Juni 2017) kein anderes Tablet mit 8“-Zoll bekannt, die eine solche Ausstattung bietet. Erweiterbar ist der Speicherplatz nicht und auch ein SIM-Karten-Slot fehlt gänzlich. In Puncto Konnektivität ist das Mi Pad 3 auf dem aktuellen Stand: WLAN bis hin zum 802.11ac-Standard im Dual-Band und Bluetooth 4.1 LE A2DP. Leider gibt es keinerlei Unterstützung für GPS. Naheliegend kann das kompakte Tablet nicht als Navi genutzt werden, doch auch Apps wie das populäre Pokemon Go fällt dadurch flach.

Für Fotos kann eine rückwertige 13-Megapixel-Kamera mit einer Blende von f2.2 und für Selfies ein 5-Megapixel-Modell mit einerf2.0-Blende genutzt werden.

Zum Laden oder zum Datenaustausch dient ein USB-Typ-C-Anschluss. Eine Schnelllade-Funktion wird leider nicht unterstützt.

 

Xiaomi Mi Pad 3
Prozessor Mediatek MT8176
Anzahl Kerne 6
Taktfrequenz 2,1 GHz
Grafikeinheit PowerVR GX6250
RAM 4 GB LPDDR3
ROM 64 GB
Displaygröße 7,9 Zoll
Displayauflösung 2048 x 1536
Pixeldichte 326 ppi
SIM Keine
Speichererweiterung Nein
LTE Keine
Akku 6.400 mAh
Akkueinbau Fest verbaut
Gehäusematerial Aluminium
Betriebssytem MIUI 8, Android 5.1
Abmessungen 200,4 x 132,6 x 6,95 mm
Gewicht 328 Gramm
Verfügbare Farben Gold
Mi Pad 2 Antutu 6 Benchmark 82.150
Preis ab 220 Euro

Der Bildschirm und das Design

Schon beim Vorgänger gefiel uns das scharfe Display mit einer Diagonale von 7,9“! Die Auflösung beträgt 2048 x 1536 Pixel – sprich ein 4:3 Format mit satten 326 Pixel per Inch (ppi). Bei allen Auflösungen mit mehr als 300 ppi lassen sich einzelne Pixel nicht mehr mit dem bloßen Auge erkennen. Die Farben sind knackig und nicht übersättigt. Vor allem Texte wirken wie gedruckt und gestochen scharf. Kein Ausfransen an den Buchstabenrändern. Für Webinhalte, eBooks, jegliche Inhalte mit Text und produktive Apps für Tabellenkalkulationen oder für Projektmanagement ist das Seitenverhältnis super geeignet, besonders bei der kleinen Diagonale von 7,9 Zoll für ein Tablet. Für Videos und Filme im 16:9 oder gar 21:9 Seitenverhältnis ist es dagegen hinderlich, da jene mit schwarzen Balken oben und unten im Querformat angezeigt werden.

Untergebracht ist die Hardware in einem Aluminium-Kleid mit der bekannten Form des Vorgängers. Daher sind die Parallelen zum Apple iPad Mini auch in der dritten Generation nicht von der Hand zu weisen. Das Unibody-Design mit den angenehm abgerundeten Rändern und Seiten lässt sich gut in den Händen halten. Das Halten in einer Hand ist auch problemlos möglich, da die seitlichen Ränder etwas schmäler gestaltet sind als die „Stirn“- und „Kinn“-Partie der Front. Typisch für ein Tablet. Im Querformat kann es bequem in beiden Händen gehalten werden, ohne dass die Finger auf dem sichtbaren Bildschirm liegen. Optisch wirkt das MiPad3 schlank. In Zahlen ausgedrückt: 132,6 mm in der Breite, 200,4 mm in der Höhe und eine Dicke von 7 mm.

Die Frontpartie erscheint bei ausgeschaltetem Display schwarz. Minimalismus pur. Lediglich die Frontkamera ist im oberen Rahmen sichtbar. Daneben sind Sensoren für unter anderem die Helligkeitsregelung. Unter dem Display sitzen drei kapazitive Tasten. Leider sind jene ohne die Hintergrundbeleuchtung nicht ortbar. Eingeschaltet leuchten die drei Tasten weiß auf. Ein permanentes Leuchten ist in den Einstellungen nicht vorgesehen, sodass diese hin und wieder blind betätigt werden müssen. Alternativ kann noch ein „schwebender Home-Button“ eingeblendet werden, über den auch der App-Switch aufgerufen oder die Zurück-Taste genutzt werden kann.

Auf der Rückseite sitzt links oben die Kamera, die bündig in das Gehäuse eingelassen ist. Mittig und auf Höhe der Kamera ist eine Aussparung für ein zweites Mikrofon, da das Mi Pad 3 ein aktives Noise-Canceling unterstützt. Bei Videoaufnahmen war es duchaus präsent.  Den unteren Bereich ziert das Mi-Logo sowie die beiden Öffnungen für die Stereo-Lautsprecher. Dezent und hochwertig verarbeitet. Das Spaltmaß passt und auch die Tasten, auf der rechten Seite sitzen fest.

Hinsichtlich der Farbgebung ist das MiPad 3 derzeit nur in Gold erhältlich. Weitere Farben sind vorerst nicht in Planung.

Lieferumfang

In der minimalistisch gestalteten Verpackung befindet sich gewohnt wenig Beipack neben dem Tablet. Ein USB-Typ-C-Ladekabel, ein Netzteil (2A / 5V) für den asiatischen Raum sowie eine Kurzanleitung befinden sich im Karton. Angesichts des attraktiven Preises geht der Lieferumfang, wie bei fast allen XIAOMI Produkten, in Ordnung.

Kamera

Mit der Ankündigung des XIAOMI MiPad 3 wurde die neue 13-Megapixel-Kamera integriert. Zugegebenermaßen ist eine Kamera für ein Tablet praktisch eher für Video-Chats oder Fotos von Dokumenten geeignet als für ambitionierte Fotografie. Tatsächlich können mit der verbauten Kamera – XIAOMI gibt keine Details zum Sensor an – gute Fotos und Videos geknipst werden. Die Farbwiedergabe ist gut und wird natürlich abgebildet. In manchen Situationen etwas blass. Für ein Tablet ist die Kamera überdurchschnittlich, mit der Spitzenklasse unter den Smartphones kann sie jedoch nicht konkurrieren. An Einstellungsmöglichkeiten mangelt es der Kamera-App nicht und sie ist Nutzern von XIAOMI-Smartphones sehr vertraut.

Benchmarks

Beim täglichen Arbeiten mit dem Tablet ist die solide Hardware spürbar und dies zeigen auch die Ergebnisse aus den Benchmarks. Im bekannten AnTuTu erreichte das Mi Pad 3 81.253 Punkte. Das XIAOMI Mi Max schaffte 78.861 Zähler und das UMIDIGI Z Smartphone mit dem leistungsstärksten MediaTek-Prozessor kam auf 97.271 Punkte. Im Vergleich mit dem XIAOMI Mi5s, welches 148.610 Punkte erreichte, ist jedoch noch Luft nach oben. In weiteren Tests, die mehr die Gesamt-Performance abbilden, ordnet sich das Mi Pad 3 vor dem Mi Max ein und hinter dem UMIDIGI Z. Grafiklastige Benchmarks wie der 3D Mark untermauern die Aussage weiter oben, dass die Grafikeinheit etwas schwachbrüstig ist. Die neusten Grafikkracher lassen sich in mittleren Details spielen, insofern die Einstellungen angepasst werden können. Andernfalls sind an einigen Stellen Ruckler und Slowdowns in der FPS-Rate wahrnehmbar. Als mobile Spielkonsole taugt das Mi Pad 3 deswegen weniger. Weitere Ergebnisse sind in den nachfolgenden Grafiken hinterlegt.

Betriebssystem

Selbstverständlich läuft auch das Mi Pad 3 mit dem hauseigenen Android-Ableger MIUI. Installiert ist auf unserem Testexemplar die Version 8.2.8.0.0 auf Basis von Android 7. Leider handelt es sich hierbei um eine geänderte ROM, eine sogenannte Shop-ROM, die nicht von XIAOMI selbst ausgeliefert wird, sondern von diversen Onlineshops überarbeitet wurde. Vorrangig sollen die Konsumenten auf den Google Play Store zurückgreifen können, der in der originalen, chinesischen Variante nicht vorinstalliert ist. Des Weiteren ist die Systemsprache auch in Deutsch, neben noch weiteren Sprachen wie Französisch oder Spanisch, verfügbar, statt nur Chinesisch und Englisch. Anders als bei getesteten Produkten wie dem Mi5s ist keinerlei Bloatware oder sonstige, zusätzliche Apps installiert. Weiterhin sind auch nur die Google Play Services installiert, da jene notwendig sind, um den Play Store nutzen zu können. Alle anderen Apps können bequem aus dem Store heruntergeladen werden, wenn der Nutzer diese nutzen möchte. Zwar entspricht dies nicht den Google-Richtlinien, die Voraussetzung für den Zugang zum Play Store sind, doch das sollte den Verbraucher nicht weiter interessieren. Nachteilig an dieser Shop-ROM ist jedoch, dass keine Updates auf neuere Versionen möglich sind. Wer darauf nicht verzichten möchte, den empfehlen wir das Flashen auf eine originale ROM vom Hersteller XIAOMI.

Der Monochrome-Modus:

Über die Besonderheiten von MIUI haben wir bereits in anderen Artikeln näher informiert. Auffiel in der vorliegenden Version, dass die Theme-App fehlt, um das Erscheinungsbild des Betriebssystems an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Über die Suche ist sie zwar erreichbar, als App-Icon und in den Einstellungen jedoch nicht. Hierbei handelt es sich wohl um einen Bug, der sicherlich in einer späteren Aktualisierung ausgemerzt wird. Schließlich sind die Themes seit Jahren eines der Hauptmerkmale von MIUI. Weiter fehlt in den Einstellungen die Aktivierung des Second Space‘ – ebenso eine Kernfunktion von MIUI 8. Hiermit kann der interne Speicher und auch die gesamte Software in zwei Bereiche getrennt werden um beispielsweise private und berufliche Dinge voneinander trennen. Von Apps, über Hintergründe und Töne bis hin zu den Einstellungen sowie Themes können die beiden Bereiche konsequent unterschiedlich behandelt werden. Es ist vergleichbar mit einem Computer samt einer zweiten Partition mit einem weiteren Betriebssystem. Neben der Abstinenz der zwei Funktionen bzw. Apps kann das MiPad 3 mit einem speziellen Lesemodus punkten. Erreichbar ist er entweder über die Schnellauswahl in der Statusleiste oder direkt in den Einstellungen. Hauptsächlich die bläulichen Farbanteile im Bild werden mit dieser Einstellung gefiltert. Je nach eigenen Vorlieben kann der Lesemodus zu bestimmten Zeiten aktiviert oder ausgeschaltet werden oder auf bestimmte Apps beschränkt werden. Obendrein besteht die Möglichkeit über den Monochrome-Modus das Bild in Schwarz-Weiß zu wandeln. Damit gleicht die Anzeige einem Ebook-Reader mit einem E-Ink-Display. Das Lesen von längeren Texten ist wesentlich angenehmer, wenngleich es mehr Konzentration erfordert als auf echtem Papier. Eine super Lösung!

Die Bedienung von MIUI wirkt vertraut und läuft angenehm flüssig. Das Tablet brilliert durch den üppigen Arbeitsspeicher vom Multitasking! Der Wechsel zwischen mehreren Apps erfolgt butterweich und fix.

Akku, Laufzeit und Ladezeiten

Um das Tablet auch möglichst lange nutzen zu können, verbaut XIAOMI einen 6.400-mAh-Akku in das schlanke Gehäuse. Durchaus beachtlich, wenn es bei Konkurrenten wie dem Huawei M3 nur für einen 5.100-mAh-Akku reicht. Subjektiv hält das MiPad 3 lange durch bis es wieder geladen werden muss. Objektiv sind es über 10 Stunden Videowiedergabe (1080p50 Video in der Dauerschleife). Ein sehr guter Wert! Beim PCMark Battery Test waren es gute sieben Stunden Betriebslaufzeit. Schade ist die fehlende Schnelllade-Funktion und so dauert eine vollständige Ladung bis zu 4 Stunden und 20 Minuten.

Fazit

Bei dem resümierenden Worten zum Mi Pad 3 ergeben sich erstaunlich viele Parallelen zum Vorgänger. Die dritte Generation überzeugt mit einer erstklassigen Verarbeitung sowie einem famosen Display mit einer hohen Auflösung. Intern stehen 64 GB bereit und auch die 4 GB Arbeitsspeicher sorgen für ein schnelles und butterweiches Bedienen und Arbeiten mit dem Tablet. Unterwegs wird das Arbeiten mangels mobiler Datenverbindung eingeschränkt. Abseits dessen liefert der verbaute Prozessor für produktive Aufgaben ausreichend Leistung. Bei grafikintensiven Apps müssen Abstriche in Kauf genommen werden. Für mediale Inhalte ist das Tablet prädestiniert! Videos und Filme zu schauen ist auf dem sehr guten Display ein Genuss.

Weiterhin positiv ist das MIUI Betriebssystem mit den sinnvollen Funktionen wie dem Lese- und Monochrome-Modus. Dazu kommt, die Integrität von MIUI mit demselben Bedienkonzept über die verschiedenen Geräte und Geräteklassen hinweg. Die Software fühlt sich für XIAOMI-Smartphone-User einfach vertraut an. Zwei Bugs mit den fehlenden Einstellungen für Second Space und Themes sind in der Testphase aufgefallen. Diese sind schon als bekannte Bugs gemeldet und sollen in der zukünftigen Version nachgereicht werden. In der getesteten MIUI-Version ist bereits die deutsche Sprache hinterlegt und auch der Google Play Store ist hinterlegt.

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