Ein übergroßes Smartphone, ein kleines Tablet, ein Smartlet oder doch ein Phablet? Das Xiaomi Mi Max mit einem 6,4“ großen Bildschirm lässt sich nicht in die herkömmlichen Kategorien einordnen. Ob es dennoch praxistauglich ist, wird der Test zeigen.

Ist das Mi Max ein Sonderling? Nicht wirklich. Auch die Konkurrenz hat solche übergroßen Smartphones im Angebot. Zu nennen ist das ASUS Zenfone 3 Ultra (ZU680KL), Samsung Galaxy A9 (2016) / A9 Pro (2016), LeEco Le Max und das Sony Xperia XA Ultra.

Hauptsächlich auf dem asiatischen Markt erfreuen sich solche Smartphones oder kleine Tablets mit Telefonie-Funktion äußerster Beliebtheit. Meist überspringen die vorrangig jungen Menschen die PC-Ära und besitzen weder einen PC noch nennen sie ein Notebook ihr Eigen. Das große Smartphone ersetzt sozusagen jene Gerätschaften. Das Smartphone ist das zentrale Device für den Zugang zum Internet und dem sozialen Leben. Beispielweise ist das Redmi Note 3 das beliebteste Smartphone in Indien 2016 gewesen. Zugegeben, es hat nur einen 5,5“ großen Bildschirm, unterstreicht aber diesen Trend.

Der riesige Bildschirm

Das Hauptmerkmal des XIAOMI Mi Max ist, wie schon in der Einleitung angedeutet, der sehr große Bildschirm. Das Display misst in der Diagonale 16,4 cm bzw. 6,44“. Mit den Maßen von 173 mm in der Höhe und 88 mm in der Breite ist es – verglichen mit den Proportionen eines Tablets – recht kompakt gestaltet. Mit lediglich 7,5 mm Dicke ist das Mi Max schlank und liegt gut in der Hand. Das Gewicht von 198 Gramm ist gleichmäßig verteilt. Eine Einhand-Bedienung ist dennoch kaum möglich. Grundsätzlich lassen sich zwar einhändig Apps starten und auch kurzweilig bedienen, hierfür muss aber immer wieder umgegriffen werden. Die obere und untere linke Ecke ist für Rechtshänder (für Linkshänder entsprechend umgekehrt) nicht erreichbar. Für das Tippen von Nachrichten sollte das Smartphone in beide Hände genommen werden. Nichtsdestotrotz hat der chinesische Hersteller eine Einhand-Bedienung in die Software integriert, auf die später noch eingegangen wird.

Wie schlägt sich die Größe im Alltag?

Es war durchaus und ohne Probleme möglich das Smartphone in die Hosentasche zu stecken. Je nach Hose war es aber stets am Oberschenkel spürbar und bei Anzugs- bzw. Chino-Hosen ragte ein Teil des Gerätes auch aus der Tasche heraus. Beim Sitzen sollte es dennoch aus der Hosentasche entnommen werden, da es teilweise unangenehm drückt. Obendrein wird das Mi Max einen gewissen Druck ausgesetzt und es soll schließlich nicht beschädigt werden. Bei weiter geschnittenen Hosentaschen rutscht es auch gern heraus. Dies passiert jedoch auch bei anderen Smartphone-Modellen.

Unterwegs jemanden anrufen geht problemlos. Die Wahltasten sind gut erreichbar und durch das Kontaktverzeichnis kann man angenehm mit einer Hand wischen bzw. scrollen. Kurze Nachrichten tippen fällt hingegen deutlich schwerer. Mit der Standard-Tastatur von XIAOMI oder von Google selbst kann man schlecht einhändig alle Tasten treffen. Bei Swiftkey ist es möglich die Tastatur zu 2/3 in eine Richtung zu verschieben. Andernfalls empfiehlt sich auch hier das übergroße Smartphone in beide Hände zunehmen. Wie bereits angemerkt ist das schlanke Design ein wahrer Pluspunkt des großen Telefons im Vergleich zu den herkömmlichen Tablets mit einem 7“ großen Display und führt zum nächsten Punkt im Test: das Design.

Das Design

Bei dem ersten Blick auf das Mi Max ist es klar als ein Smartphone von XIAOMI zu erkennen, da bekannte Design-Elemente und auch die Anordnung jener bereits von anderen Geräten bekannt sind. So sind die kapazitiven Tasten unter dem Bildschirm auch in der Redmi- und Redmi-Note-Serie wiederzufinden. Auf der rechten Seite ist die Lautstärke-Wippe und der Power-Button aus Metall zu finden. Auch die Positionierung ist analog zu den anderen Baureihen in der oberen Hälfte. Demgegenüber sitzt auf der linken Seite der Hybrid-SIM-Kartenschacht. Letzterer kann zwei SIM-Karten, eine Nano und eine Micro, aufnehmen oder eine Nano-SIM und eine Micro-SD-Karte. Die Oberseite des Rahmens beherbergt links den 3,5-mm-Klinkenanschluss, ein Mikrofon und den IR-Blaster, der Infrarot-Sender, um beispielsweise das Smartphone als Fernbedienung für den TV zu nutzen. Die Unterseite präsentiert sich ebenso gewohnt mit dem mittigen Anschluss des Ladekabels per Micro-USB und den beidseitig davon angeordneten Aussparungen. Links befindet sich ein weiteres Mikrofon für die Aufnahme und rechts ein Lautsprecher.


Eingefasst wird die komplette Front von Glas mit abgerundeten Ecken und Seitenkanten. Der seitliche Rahmen um den Bildschirm ist durchaus schlank gehalten. Eingeschaltet ist zusätzlich noch ein schmaler, schwarzer Rahmen um das Display zu erkennen. Besonders bei dem silbernen Modell mit einer weißen Front fällt dies negativ auf im Vergleich zu einer schwarzen Front bei dem grauen Modell. Der Übergang zum Metallrahmen fällt somit angenehmer aus. Dabei setzt XIAOMI auf Gorilla Glas 4. Ein wesentlich unempfindlicheres Glas gegenüber Kratzern. Erwähnenswert ist dies insbesondere, da beim höherpreisigen Mi5s auf ein solches Glas verzichtet wurde und bereits nach zweimonatiger Nutzung einige kleine Kratzer – trotz pfleglicher Behandlung – vorzufinden waren. Aufgelockert wird der minimalistische Alu-Look durch die abgeschliffenen Kanten sowohl oben als auch unterhalb des Rahmens.


Umgedreht geht der Metallrahmen nahtlos in die Rückseite über. Jedoch handelt es sich nicht um ein Unibody-Design im klassischen Sinn, sprich ein Gehäuse aus einem Stück Metall, da es am oberen und unteren Ende durch Kappen aus Kunststoff unterbrochen wird. Darunter werden die notwendigen Antennen für WLAN, Mobilfunk sowie Bluetooth untergebracht. In der oberen linken Ecke wurden die Kamera und der Doppelblitz untergebracht. Hier ist wieder die Analogie zum Mi5/Mi5s oder auch zum Redmi 4a, deren Kameraposition und -form ähnlich realisiert wurde, erkennbar. Sie steht zwar minimal aus dem Gehäuse heraus, aber ohne dass dies sich negativ auswirkt. Das Mi Max liegt plan und ohne Kippeln auf glatten Oberflächen auf. Omnipräsent sitzt der runde Fingerabdruckscanner mittig, im oberen Drittel der Rückseite. Er ist einfach mit den Zeigefingern erreichbar, während das Smartphone in der Hand gehalten wird. Im unteren Drittel ziert das glänzende Mi-Logo die Rückseite. Das Entsperren gelang in 17 / 20 Fällen direkt und binnen eines Augenblickes beim erstmaligen Auflegen des Fingers.

Verarbeitung und Lieferumfang

Die Verarbeitung ist – wie gewohnt von XIAOMI – sehr gut. Trotz der flachen Bauweise und der Größe ist das Mi Max äußerst verwindungssteif! Die beiden Tasten sitzen solide im Gehäuse und lassen sich nur minimal seitlich bewegen. Der Druckpunkt ist bei beiden präzise und knackig. Ebenso sind die Spaltmaße auf ein Minimum reduziert und gleichmäßig. Einzig der Übergang bei den Materialien, von Aluminium auf Kunststoff, ist mit den Fingern spürbar und kann als Kritikpunkt angesehen werden.

Bevor auf die genauen technischen Daten eingegangen wird, ein kurzer Blick auf das übersichtliche Zubehör. Im Lieferumfang befindet sich nur ein Daten-/Ladekabel, ein Netzteil für den chinesischen Markt (5V, 2A max), eine chinesische Kurzanleitung und Support-Hinweise sowie der SIM-Kartenschacht-Stecker. Da XIAOMI Smartphones in der Regel wahre Preis-/Leistungskracher sind, spart der Hersteller an den Dreingaben.

Technische Daten

Unter dem Metallkleid gibt es keine Überraschungen. Herzstück bildet der Qualcomm Snapdragon 650 (MSM8956). Jener besteht aus insgesamt sechs CPU-Kernen. Ein Cluster aus zwei Kernen nach dem Cortex-A72 bearbeiten die anspruchsvolleren Aufgaben mit der hohen Pro-Thread-Performance und Takten bis zu 1,8 GHz. Für die rudimentären und einfacheren Aufgaben steht ein Cluster aus vier Kernen nach dem Cortex-A52-Design bereit. Letztere sind für eine geringe Leistungsaufnahme optimiert worden und bleiben in der Regel immer aktiv. Das Mi Max ist zusätzlich noch in einer Ausstattungsvariante namens Prime mit dem Qualcomm Snapdragon 652 (MSM8976) erhältlich. Ein Octa-Core bei dem vier statt zwei Cortex-A72-Kerne zum Einsatz kommen. Die weiteren Eckdaten des Chips sind identisch. Beide Chips sind 64-Bit fähig.

Für die Grafikausgabe zeichnet sich die Qualcomm Adreno 510 mit 610 MHz verantwortlich. Sie stammt aus der gleichen Baureihe wie die Adreno 530, welche im Snapdragon 820 sowie 821 (und somit in den XIAOMI MI5 und Mi5s Smartphones) verbaut wird. Lediglich die Leistung ist im Vergleich mit dem Topmodell beschnitten worden.

An Speicher mangelt es dem Mi Max nicht. Das Standardmodell wird mit 3GB LPDDR3 RAM (Arbeitsspeicher) und 32 GB eMMC Speicher bestückt. Dem teureren Prime-Modell stehen 4 GB RAM und 128 GB Speicher zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, kann jener per Micro-SD-Karte um bis zu 128 GB erweitert werden. Indessen muss auf die Nutzung einer zweiten SIM-Karte verzichtet werden.

Xiaomi Mi Max
Prozessor Qualcomm Snapdragon 650
Anzahl Kerne 6
Taktfrequenz 1,8 GHz
Grafikeinheit Adreno 510 mit 610 MHz
RAM 3 GB LPDDR3 / 4 GB LPDDR3
ROM 32 GB / 128 GB
Displaygröße 6,44 Zoll
Displayauflösung 1920 x 1080
Pixeldichte 342 ppi
SIM DualSim
Speichererweiterung ja, bis 128 GB
LTE 1.800 MHz, 2.100 MHz, 2.600 MHz
Akku 4.850 mAh
Akkueinbau Fest verbaut
Gehäusematerial Aluminium
Betriebssytem MIUI 8, Android 6.0
Abmessungen 173,1 x 88,3 x 7,5 mm
Gewicht 203 Gramm
Verfügbare Farben Silber, Grau, Gold
Antutu 6 Benchmark 79.000
Preis ab 165 Euro

Auf Seiten der Konnektivität ist soweit alles dabei. Mit einem drahtlosen Netzwerk verbindet sich das Mi Max bis hin zum 802.11ac Standard. Bluetooth wird in der Version 4.2 unterstützt. In Sachen LTE schafft das verbaute Qualcomm Snapdragon X8 LTE Modem lediglich nur LTE Cat 7. Bei den LTE-Bändern werden die Frequenzen FDD-LTE: B1, B3, B5, B7 sowie TD-LTE: B38, B39, B40, B41 abgedeckt. Das für Deutschland durchaus relevante Band B20, 800 MHz für die ländlichen Regionen, wird nicht unterstützt bzw. wurde nicht lizenziert. Das Modem kann dies prinzipiell schon. Anzumerken ist noch, dass für bei SIM-Karten LTE bereitgestellt wird.
Für die Navigation steht sowohl A-GPS als auch GLONASS und BDS bereit. Auch bei den Sensoren fehlt es an nichts: Gyroskop, Beschleunigung (Accelerometer), Annäherung, Umgebungslicht, Hall und ein elektronischer Kompass decken den Stand der Dinge ab.

Nachfolgend geht es um den Bildschirm. Das riesige 6,44“-Display löst in FullHD, 1920 mal 1080 Pixeln, auf. Dies ist, gemessen am Preis und an der restlichen Ausstattung eines Mittelklasse-Smartphones mehr als ausreichend. Die maximale Helligkeit wird mit 450 nits angegeben. In der Praxis zeigt sich das Display an einem sonnigen Tag als eher schlecht abzulesen. Der Kontrast mit einem theoretischen Wert von 1.000:1 ist satt und gefällt. Das angezeigte Bild ist gestochen scharf. In Kombination mit den satten, unverfälschten Farben (72% des NTSC-Farbraumes werden abgedeckt) macht das Konsumieren von Medien Spaß. Eine höhere Auflösung wäre zwar nett in Hinblick auf Virtual Reality, doch verbraucht eine QuadHD-Auflösung bei einem IPS-Panel zu viel Strom und in Alltagssituationen ist es nahezu unmöglich ein Unterschied zu FullHD ausfindig zu machen.

Damit bei einem so großen Bildschirm nicht zu schnell der Akku schlapp macht, schaffte es XIAOMI einen Akku mit einer Kapazität von 4.850 mAh Stunden zu verbauen. Vor allem da das Smartphone ein schlankes Erscheinungsbild hat, überrascht die angegebene Kapazität. Das beigelegte Netzteil lädt nur mit 2 Ampere bei 5 Volt und kann nicht mit Qualcomm Quick Charge 2.0 oder 3.0 aufwarten.

Die Kamera

Zu guter Letzt sind die beiden Kameras zu erwähnen. Die rückwertige Kamera löst mit bis zu 16 Megapixeln auf. Die Vordere mit 5 MP wie schon beim Mi5s. Beide Kameras haben eine Blende von f2.0 und liegen damit etwa über den Standard in der Smartphone-Mittelklasse. Für scharfe Fotos sorgt der Phase-Detection Auto Focus (PDAF) oder Phasenerkennungsautofokus auf Deutsch. Hierbei werden zwei leicht versetzte Halbbilder in einem Sensorpaar miteinander verglichen. Statt nun das Objektiv bei einer herkömmlichen Kamera zu bewegen, wird bei einem Smartphone das einfallende und jeweils phasenverschobene Licht (Focus Pixel) für die Berechnung genutzt. Das Objektiv bzw. die Linsen bleiben unverändert. Zumindest in der Theorie kann eine Smartphone-Kamera mit PDAF extrem schnell, quasi sofort, scharf stellen. In der Praxis zeigt sich der Autofokus im Mi Max als sehr schnell, wenn auch etwas langsamer als im Schwestermodell Mi5s.

Die Software und Performance

Wie sich das große Mi Max in der Handhabung schlägt, wurde gleich zu Beginn geklärt. Doch wie steht es um das angepasste Android Betriebssystem MIUI? Im Alltag reagiert das Mi Max schnell, flüssig und nichts kommt ins Stocken. Sind viele Apps geöffnet, gönnt sich das Smartphone hin und wieder eine Gedenk-Sekunde, ohne dabei einen trägen Eindruck zu hinterlassen. Je nach Situation und den geöffneten Apps, scheint hier auch das RAM-Management des Systems dazwischen zugreifen. So wurde offensichtlich eine bereits geöffnete App im Hintergrund aus dem RAM bzw. Zwischenspeicher entfernt und musste beim erneuten Öffnen neu gestartet werden, statt normal fortgesetzt zu werden.
Bei einem solchen großen Bildschirm lädt das Smartphone regelrecht zum Spielen ein und hierfür eignet es sich ebenso. Von den getesteten Spielen liefen alle per se flüssig und ohne größere Ruckler. Bei Übergängen von animierten Zwischensequenzen und den spielbaren Abschnitten konnten Einbrüche in der Framerate festgestellt werden. Die meisten grafisch aufwändigen Spiele starten mit mittleren Grafikeinstellungen. Titel wie Aspalt 8 oder Modern Strike konnten problemlos in hohen Einstellungen gespielt werden. Durch den großen Bildschirm stören auch die Bedienelemente in Spielen weniger als auf kleineren Smartphones.
Eine kleine Anmerkung zum Vergleich: Die kommende Nintendo Switch hat ein kleineres Display (6,2“ gegenüber 6,44“ vom Mi Max) und rendert die Spiele mobil nur in 1280 mal 720 Pixel.

Neben den subjektiven Eindrücken spiegelt sich die gute Performance – gemessen am Preis und Ausstattung – auch in Benchmarks wider. Im beliebten AnTuTu Benchmark erreicht das Mi Max 78.862 Punkte und liegt damit deutlich vor dem ebenfalls 2016 erschienen Redmi Note 3 (52.011 Punkte). Im Geekbench muss es sich dem direkten Konkurrenten aus dem eigenen Hause zumindest beim Multicore-Score mit 3.694 Punkten gegenüber 4.577 Punkten geschlagen geben, da Letzteres zwei CPU-Kerne mehr hat. Beim Singlecore-Score sind es 1.490 Punkte und nur 833 Punkte für das Redmi Note 3.


Doch ist die Leistung auch konstant? Hierfür wurde der Geekbench zehn Mal in Folge wiederholt und die erreichten Ergebnisse waren konstant. Die intern gemessene Temperatur im Bereich des Akkus lag bei moderaten 33°C bei 20,5°C Raumtemperatur. Das Mi Max eignet sich also auch bestens für längere Spiel-Sessions und muss seine Leistung nicht auf Grund thermischer Probleme reduzieren. Ein Übriges hierzu liefert der großzügig bemessene Akku.Bei geringer Nutzung hielt das Mi Max wahnwitzige drei Tage mit einer Akkuladung durch bei über sechs Stunden eingeschalteten Display. Häufiger genutzt waren am Abend noch 40 bis 45 % Akku-Restkapazität bei in etwa 4,5 bis 5 Stunden eingeschaltetem Bildschirm. Da keinerlei Schnellladefunktionen implementiert sind, dauert das Aufladen des Akkus in etwa dreieinhalb Stunden.

Im Audiobereich gibt es nichts zu beanstanden, aber auch nichts hervorzuheben. Mit eingesteckten Kopfhörern (AKG K701) liefert das Mi Max einen soliden Sound. Im Betriebssystem MIUI ist ein Equalizer eingebaut und bietet auch für die XIAOMI In-Ears und Kopfhörer entsprechend angepasste Profile an. Auf zusätzlich lizenzierte Softwareanpassungen oder sonstige Klangverbesserungen wie beispielsweise von Dolby verzichtet der Hersteller. Der verbaute Mono-Lautsprecher auf der Unterseite ist akzeptabel. Wahrer Musikgenuss kommt bei dessen Wiedergabe dennoch nicht auf. Es fehlt an Breite und vor allem an Tiefe – ein Manko, welches viele Smartphones haben. Bei voller Lautstärke neigen sie obendrein zum Klirren bei hohen Tönen. Besser gefiel uns die Sprachqualität sowohl bei klassischer Telefonie als auch bei Gesprächen per Skype oder sogenannten HD-Calls wie sie WhatsApp oder der Facebook Messenger unterstützen.

Wie bei allen XIAOMI Smartphones ist auch bei dem Mi Max das angepasste Android-Betriebsystem MIUI installiert. Zum Marktstart wurde es noch mit der Version 7 ausgeliefert, mittlerweile ist auch die achte Aktualisierung verfügbar. Im Test wird sich auf die Version 8.2.2 als Global Stable ROM bezogen, sprich sie enthält auch weitere Sprachen wie Französisch, Spanisch, Portugiesisch und auch Deutsch. Die Chinese Stable ROM beschränkt sich auf Chinesisch und Englisch. Weiterhin sind auch die Google-Dienste wie der Play-Store mit an Bord und müssten nicht erst installiert werden. Wie man von der Chinese Stable ROM auf die Global Stable ROM wechseln kann, kann in einem separaten Artikel nachgelesen werden.


Als Unterbau dient Android 6.0.1. Es gibt auch schon seit wenigen Monaten eine Beta auf Basis von Android 7.1. Nichtsdestotrotz ist die verwendete Android-Version weniger entscheidend, da XIAOMI die Features direkt in MIUI integriert und dies unabhängig von der Android-Version geschieht. Da bereits im Test zum Redmi Note 3, Mi5 und Mi5s auf die Besonderheiten von MIUI 7 und 8 eingegangen wurden, wird an dieser Stelle darauf verzichtet.

Eine Anmerkung in Bezug auf das Mi Max und MIUI 8 sei dennoch fällig. Als Mitte 2016 Google auf der I/O Konferenz die neuen Features von Android 7 präsentierte, war unter anderen auch eine Splitscreen-Funktion zu sehen. Das gleichzeitige Nutzen von zwei Apps, die beliebig auf dem Bildschirm geteilt werden können. Im gleichen Atemzug kündigte XIAOMI an, dass dies ebenfalls in MIUI 8 Einzug finden wird. MIUI 8 ist nun seit einigen Monaten für das Mi Max verfügbar, jenes Feature ist nach wie vor nicht vorhanden. Gerade auf dem 6,44“ großen Bildschirm würde dies einen wesentlichen Mehrwert für das Mi Max darstellen. Im Allgemeinen ist noch anzumerken, dass nahezu alle Apps wie auf anderen Smartphones dargestellt werden und nicht in einem Tablet-Modus. Bei manchen Apps führt dies auf dem Mi Max lediglich zu einer größeren Darstellung ohne den größeren Bildschirm für mehr Inhalte auszunutzen. Zum Lesen von eBooks, Surfen auf Websites oder zum Navigieren ist das durchaus von Vorteil. Bei E-Mail-Clients oder für soziale Netzwerke wird der gebotene Platz nicht optimal genutzt. Ebenfalls sind in Office-Apps die Bedienelemente lediglich größer. Schade.


Seit einigen Veröffentlichungen ist in MIUI ein sogenannter Einhand-Modus integriert. Aktiviert wird dieser durch ein Wischen vom kapazitiven Homebutton zu einem der beiden danebenliegenden Buttons. Als Rechtshänder von der Mitte nach rechts und als Linkshänder entgegengesetzt. Anschließend kann ausgewählt werden, ob der Bildschirm mit einer Diagonale von 3,5“, 4,0 oder 4,5“ simuliert werden soll. Die restliche Bildfläche wird nicht mehr genutzt und dient nur zum Deaktivieren des Einhand-Modus. Bezogen auf das Mi Max wären die Optionen für 5,0“ oder 5,2“ noch wünschenswert gewesen.

Auf die Kamera-App von MIUI wurde bereits ausführlich im XIAOMI MI5s eingegangen da diese auch beim Mi Max Verwendung findet. Daher beziehen sich die Aussagen nur auf Ergebnisse der Kamera selbst.
Der 16-Megapixel-Sensor liefert bei Tageslicht gute bis sehr gute Ergebnisse ab. Dabei arbeitet der Autofokus schnell und das Foto wird unmittelbar nach dem Tippen auf den Auslöser geschossen. Sind die Einstellungen für Sättigung, Schärfe und Kontrast auf „normal“, sind die Fotos in natürlichen und satten Farben. Tendenziell neigt auch hier die Kamera-App dazu die Fotos etwa zu überbelichten, damit die dunklen Partien nicht zu sehr ins Schwarze verlaufen bzw. Details verschluckt werden. Das Kontrastverhältnis ist ausgewogen und die Software-Optimierung hält sich vornehm zurück. Im Detail lassen sich nicht immer klare Konturen erkennen und feine Strukturen wirken leicht verwaschen. Dieser Effekt verstärkt sich bei schwierigen Lichtverhältnissen. Hinzukommt der fehlende Bildstabilisator, sodass bei wenig Licht die Fotos schnell verwackelt und verschwommen werden. Indes wirken die Fotos rauschend und detailarm, bei Nacht und schlechten Lichtverhältnissen.


Die Frontkamera ist mit 5 MP und einem 85° Blickwinkel eher für Selfies geeignet als für Gruppenportraits. Aufgenommene Fotos sind befriedigend im Ergebnis. Für gelegentliche Selfies ist die Frontkamera brauchbar. Wie schon beim Mi5s kann zusätzlich ein Verschönerungseffekt genutzt werden, um kleinere Falten „heraus zubügeln“. Weiter kann das errechnete Alter des Protagonisten angezeigt werden und wirkt für westeuropäische Verhältnisse eher befremdlich. Jene Funktion lässt sich ohne Weiteres deaktivieren.

Fazit

Lohnt sich das XIAOMI Mi Max? Nun, die Frage muss sich jeder selbst stellen, ob es hierfür einen Einsatzzweck gibt. Sei es beim täglichen Pendeln in öffentlichen Verkehrsmitteln oder das Lesen von längeren, digitalen Artikeln und Büchern, die Vorliebe für Mobile-Games oder als Navigationsgerät im Auto – Anwendungsbeispiele gibt es genügend. Durch die schmalen, seitlichen Ränder, der geringen Dicke und dem ausbalancierten Gewicht kaschiert das Mi Max weitestgehend die Ausmaße des Bildschirms. Die Verarbeitung ist, wie von XIAOMI gewohnt, auf einem sehr hohen Niveau und sehr gut. Das solide Display ist ein Genuss, wenn auch nicht im direkten Sonnenlicht. Dazu kommt eine ordentliche Performance im Alltag, die auch für Spiele mehr als ausreichend ist. Leider nicht immer in den höchsten Grafikeinstellungen. In Verbindung mit dem 4.850 mAh Akku wird es zum Dauerläufer. Die Hauptkamera erzeugt sehenswerte Fotos bei entsprechenden Lichtverhältnissen.

Wie schon bei anderen XIAOMI-Smartphones ist das fehlende LTE Band B20 in Deutschland ein großes Manko. Wer beim Import über die diversen Onlineshops nicht aufpasst, kann zudem ein Modell mit der chinesischen bzw. englischen ROM erwischen, statt mit der Global/International ROM. Hier muss erst der Play Store nachinstalliert werden und mit der englischen Sprache vorlieb-genommen werden. Das Xiaomi Mi Max ist in der Preisspanne von 165€ bis 210€ erhältlich. Preise könnt ihr unserem Preisvergleich entnehmen.

Bei der Gesamtwertung kommt das Mi Max auf 9,4/10 Punkten.

In unserem Preisvergleich listen wir die Version mit 3 GB RAM und 64 GB ROM.

Kommentar (1)

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